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Rückblick 2021 - Ausblick 2022

Bauteilverfügbarkeit

Das Jahr 2021 stellte uns vor viele Herausforderungen. Die Bauteilverfügbarkeit ist nach wie vor zum Teil katastrophal. Lieferzeiten von mehreren Monaten sind bei Bauteilen mittlerweile normal. Ein Jahr Lieferzeit schockt in dem Markt niemanden mehr. Wir tun unser Bestes um die Auswirkungen möglichst gering zu halten und haben unsere Lagerbestände deutlich vergrößert um lieferfähig zu bleiben. Wir sehen uns für 2022 gut aufgestellt, dennoch kann es vorkommen, dass einzelne Module von uns in 2022 vielleicht längere Lieferzeiten haben.


Beispiel Industrial Analog Out Bricklet

Momentan ist dies für das Industrial Analog Out Bricklet der Fall. Das Haupt-IC wurde schon vor einem dreiviertel Jahr bestellt und soll erst in einem halben Jahr verfügbar sein. Leider ist den Lieferterminen aktuell oftmals nicht zu trauen, so dass wir uns mit einer Verfügbarkeitsprognose schwer tun. Es kommt vor, dass Bauteile früher ankommen, leider aber auch später.
Wir überwachen aber automatisiert die Bauteilbestände bei Distributoren und versuchen das Bauteil so schnell wie es geht zu beschaffen. Einen direkten Ersatz gibt es leider nicht. Wir halten uns die Option eines Redesigns aber offen.

Von der, vor einiger Zeit teilweise von Experten angekündigten, Entspannung am Bauteilmarkt sehen wir aktuell nichts. Wir gehen davon aus, dass 2022 bezüglich der Verfügbarkeit schwierig bleibt. Eine weitere Problematik sind aktuell die Preissteigerungen. Klammert man schlecht verfügbare Bauteile, die dann auch gerne mal das zehnfache kosten, einmal aus, so sind die meisten Bauteile 20-30% teurer geworden. Auch der Versand von Waren, insbesondere der Import von Waren aus dem Ausland, ist deutlich teurer und langsamer geworden.

Solltet ihr in 2022 größere Mengen unserer Module benötigen, so nimmt bitte frühzeitig Kontakt mit uns auf damit wir dies einplanen können.


2021 - Ein gutes Jahr


Trotz der zuvor genannten Herausforderungen war das Jahr 2021 aber dennoch ein sehr gutes Jahr für uns.
Das Tinkerforge Baukastensystem wurde weiterentwickelt. Wir haben zum Beispiel neue Bricklets veröffentlicht. Das bestimmende Thema war aber sicherlich unser Einstieg in den Bereich Elektrofahrzeug-Ladetechnik unter der Marke WARP (Wall Attached Recharge Point) mit unseren WARP Wallboxen. Von den Wallboxen haben wir mittlerweile deutlich über 1500 Stück verkauft und fertigen diese in einer eigenen Produktion. Anfängliche Lieferschwierigkeiten konnten wir lösen, indem wir mittlerweile große Lagerbestände aufgebaut haben. Teilweise mussten Kunden auf Ihre Wallbox mehrere Wochen warten. An dieser Stelle vielen Dank für das Verständnis! Nun sind wir bei Lieferzeiten von 1-2 Wochen, da die Wallboxen auftragsbezogen gefertigt werden.

Beide Bereiche, Tinkerforge und WARP, werden wir in 2022 ausbauen.


Ausblick auf 2022


Anfang kommenden Jahres werden wir den ESP32 Brick und das ESP32 Ethernet Brick veröffentlichen. Wie der Modulname schon verrät, handelt es sich um einen Brick der mit einem leistungsfähigen ESP32 Mikrocontroller ausgestattet ist. Der ESP32 verfügt über WLAN und Bluetooth und kann über C/C++ programmiert werden. An jeden Brick können bis zu sechs Bricklets angeschlossen werden, die über die dann ebenfalls veröffentlichten neuen "C/C++ für Mikrocontroller" Bindings angesteuert werden können. Selbstsprechend ist der ESP32 Ethernet Brick zusätzlich mit Ethernet ausgestattet. Es können eigene C/C++ Programme auf den ESP32 Bricks ausgeführt werden (standalone Betrieb). Die beiden Bricks können aber auch einfach als "Proxy" mit unserer Standardfirmware betrieben werden und stellen somit eine Alternative für unseren Master Brick mit WIFI oder Ethernet Extension dar.

Der ESP32 Brick kam bereits in den WARP1 Wallboxen zum Einsatz. Der ESP32 Ethernet Brick wird in den aktuellen WARP2 Wallboxen eingesetzt.
Wir planen zusätzlich zu den "C/C++ für Mikrocontroller" Bindings, Arduino Bindings anzubieten. Beide neuen Bindings sind auch für andere Mikrocontroller-Plattformen nutzbar. Es muss nur ein einfacher HAL implementiert werden, der die SPI Kommunikation zum Bricklet abstrahiert. Wir werden direkt HALs für Arduino, STM32F0 und Raspberry Pi bieten.

Natürlich wird aber auch WARP weiterentwickelt. Für die Wallbox Firmware haben wir eine lange Todo-Liste mit Detailverbesserungen, neue Features und Bugfixes (siehe https://github.com/Tinkerforge/esp32-firmware/issues).

Als nächstes größeres neues Feature werden wir ein Ladelog bieten. Dieses beinhaltet jeden einzelnen Ladevorgang und wird direkt auf der Wallbox lokal gespeichert. Bei zehn Ladevorgängen am Tag werden wir bei der WARP2 eine Historie von ca. 2 Jahren bieten. Es wird die Art der Ladefreigabe gespeichert, bei einer Ladefreigabe per NFC somit auch über welches NFC-Tag die Freigabe erteilt wurde. Zusätzlich wird der Ladebeginn und die Ladedauer protokolliert. Bei einer Pro Wallbox, die somit über einen internen Stromzähler verfügt, wird dann auch die geladene Energiemenge protokolliert. Im ersten Schritt werden wir diese Daten zum Download als CSV auf der Wallbox anbieten. Dieses Feature werden wir per Firmwareupdate Anfang kommenden Jahres zur Verfügung stellen. Zukünftig ist eine komfortablere Lösung geplant, bei der ein Abrechnungsdokument direkt erstellt werden soll.
 


Neben dem häufig gewünschten Ladelog-Feature ist das Thema Photovoltaik (PV)-Überschussladen häufig gefragt. Dabei geht es darum, die Energie die von der eigenen PV-Anlage produziert wird und nicht direkt verbraucht werden kann, in das eigene Fahrzeug zu laden. Dafür ist es notwendig zu ermitteln wie viel Leistung "überschüssig" ist. Um dies technisch realisieren zu können arbeiten wir an dem "WARP Energy Manager", der Ende Q1 2022 veröffentlicht werden soll. Dabei handelt es sich um ein Hutschienenmodul für die Installation im Verteilerschrank. Das Modul kommuniziert per WLAN oder Ethernet und kann einen Modbus Stromzähler auslesen. Dieser Stromzähler wird dann so installiert, dass er die überschüssige Leistung messen kann. Der WARP Energy Manager wird dann als Lastmanager eingesetzt und kann dann die Leistung einer oder mehrerer Wallboxen dynamisch anhand der überschüssigen Leistung regeln (PV Überschussladen).

Der Typ2 Ladestandard definiert einen minimalen Ladestrom von 6A. Wird eine Wallbox dreiphasig angeschlossen so beträgt damit die minimal mögliche Ladeleistung 4.1kW.
Gerade bei kleineren PV-Anlagen (<10kWp), wie sie bei Einfamilienhäusern oft üblich sind, speisen aber oft Leistungen im Bereich von 2kW ins Netz ein. Wird dann ein Fahrzeug geladen müssen somit also ca. 2kW immer noch zugekauft werden. Um keinen Strom zukaufen zu müssen, können WARP2 Wallboxen auch einphasig betrieben werden. Damit reduziert sich die minimal mögliche Ladeleistung auf ca. 1.4kW. Um das technisch zu bewerkstelligen muss ein aktiver Ladevorgang unterbrochen werden, zwei Phasen abgeschaltet werden und der Ladevorgang wieder erneut gestartet werden. Aus diesem Grund kann der WARP Energy Manager ein externes Schütz schalten, welches von dreiphasigem Betrieb auf einen einphasigen Betrieb und vice versa umschalten kann. Wichtig sei hier der Hinweis, dass sich das Ladeverhalten von Fahrzeugtyp zu Fahrzeugtyp unterscheidet. Nicht jedes Fahrzeug unterstützt die geringsten Ladeleistungen. Die Ladeverluste verhalten sich auch je nach Fahrzeug und Ladeleistung sehr unterschiedlich.

Zusätzlich wird der WARP Energy Manager auch einen konfigurierbare Relaisausgang bieten, um zum Beispiel andere Verbraucher leistungsabhängig steuern zu können und einen konfigurierbaren Eingang mit dem zum Beispiel eine EVU Abschaltung einer oder mehrerer Wallboxen realisiert werden kann. Der WARP Energy Manager kann aber auch dazu eingesetzt werden, um ein dynamisches Lastmanagement zu realisieren. Dabei wird er dann so konfiguriert, dass die maximale Leistung des Hausanschlusses nicht überschritten wird. Zukünftig ist es geplant alternativ zur Leistungsmessung mittels externen Stromzähler auch eine Softwarekompatibilität zu verschiedenen PV-Wechselrichtern und deren PV-Metern herzustellen. Der zusätzliche Stromzähler kann in diesem Fall dann entfallen.

Soweit ein grober Ausblick auf 2022.

Wir, das Team von Tinkerforge, möchten uns bei euch für 2021 bedanken! Das entgegengebrachte Vertrauen, das Verständnis (z.B. falls ein Artikel mal nicht auf Lager ist) und die Unterstützung (insbesondere in der Community) sind definitiv etwas Besonderes! Danke dafür!

Wir wünschen euch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins Jahr 2022!